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31.08.2010

Frisch aus der Druckerei, 4/10
(Comic-Neuheiten im Juli)

Die Druckfrisch-Kolumne lebt noch! Leider mussten die Novitäten-Vorstellungen für März bis Juni ausfallen (Printmagazin-Deadlines, Comic-Salon, Fußball-WM, berufliche Verpflichtungen, Urlaub). Nun wollen wir's wieder angehen und hoffen, in den nächsten Monaten wieder regelmäßig die interessantesten Comic-Neuerscheinungen vorstellen zu können. Der Hochsommermonat Juli war ein eher unspektakulärer Monat, die ganz großen Neuerscheinungen waren eher rar gesät. Hier die interessantesten Neuheiten, wobei wir uns wie üblich auf Serien-Neustarts oder Einzelbände konzentrieren.

HIGHLIGHT DES MONATS: Ralf König, vermutlich Deutschlands bekanntester Comiczeichner, feierte kürzlich seinen 50. Geburtstag und wird zur Zeit in Berlin mit einer großen Ausstellung geehrt. Einer von Königs Hausverlagen, der Männerschwarm Verlag, schenkt König zum Geburtstag eine wissenschaftliche Arbeit über Die Welt der Knollennasen. Darin wird das Universum von Königs Knollennasenfiguren, die sog. Knollennasenmatrix ("Knollmax") umfassend erforscht. Verfasst ist diese "sozio-rhinologische Untersuchung" von einem gewissen Xaver Rammbock, der selbst der Knollmax entstammt. Eine Leseprobe findet man hier, und in einem FAZ-Artikel von Andreas Platthaus kann man nachlesen, wer sich hinter Xaver Rammbock verbirgt, und was diese Forschungsarbeit mit dem Donaldismus zu tun hat.

Der kommerziell sicher erfolgreichste Comic des Monats (wenn nicht sogar des Jahres) erschien im Juli bei Carlsen: Das auf allen medialen Kanälen erfolgreichen Teenie-Phänomen Twilight hat eine Adaption im Mangastil, gezeichnet von der Koreanerin Young Kim, erhalten. Da Carlsen in Deutschland ohnehin die verlegerische Heimat von Stephenie Meyers romantischen Vampirromanen ist, greift die Verwertungskette hier wunderbar. Der erste Band, Biss zum Morgengrauen, bekam bei Erscheinen in den USA viel Kritik vor allem für das Lettering und die fragwürdige Platzierung der Sprechblasen, aber einen echten Bella-und-Edward-Fan dürfte das wohl kaum stören.

Schwarzer Klecks, das Sublabel von Kult Editionen für Comicstoffe aus Italien, betritt erstmals die Regionen des (Semi-) Funny-Comic: Die neue Serie Leo Pulp deutet schon im Titel an, wo es langgeht: Die Hauptfigur ist ein klassischer Hard-Boiled-Detektiv mit Trenchcoat, Zigarette und allem was dazugehört. Autor Claudio Nizzi (Tex) und Zeichner Massimo Bonfatti gehen das Thema von der parodistischen Seite an, nennen eine Nebenfigur "Nick Tracy" und lassen ihren Helden in Hollywood auf Schauspieldiven und Filmstars treffen.In Italien gibt es bislang drei Bände, der erste deutschsprachige heißt Das Verschwinden von Amanda Cross und kann hier probegelesen werden.

Ein satirischer Comic aus Frankreich erschien beim Eichborn Verlag: Bin Laden enthüllt spielt im Jahr 2016, Osama Bin Laden wurde endlich festgenommen und enthüllt bei seinem Verhör die Hintergründe seines terroristischen "Lebenswerks". Angesichts von Morddrohungen und Attentatsversuchen gegen Karikaturisten kann man das Projekt von Mohamed Sifaoui und Zeichner Philippe Bercovici durchaus als mutig bezeichnen. Ihr Comic beruht überwiegend auf historischen und biographischen Fakten, wenn man mal von Aspekten wie Bin Ladens unstillbarer Sexsucht absieht. Ein Paar Panels aus dem Buch sind hier zu sehen.

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Das große Revival der Zombies ist nach wie vor in vollem Gange. Mitverantwortlich für die Wiederkehr der Untoten in alle Bereiche der Popkultur ist unter anderem Max Brooks, der 2003 seinen Zombie Survival Guide auf den Markt brachte und später den Roman World War Z schrieb, der auch verfilmt werden soll. Im letzten Kapitel des Zombie Survival Guide gibt es eine Chronologie der historischen Zombieattacken der Menschheitsgeschichte - diese "Recorded Attacks" wurden von Brooks im letzten Jahr zu einem Comic adaptiert (gezeichnet vom Brasilianer Ibraim Roberson). Der ist nun auf Deutsch bei Panini unter dem Titel Der Zombie Survival Guide: Dokumentierte Angriffe zu haben. (US-Leseprobe)

Im Juni war es endlich geschafft: Panini hatte den zehnten Teil der Sandman-Sammelbände veröffentlicht, womit Neil Gaimans Comic-Meilenstein endlich erstmals komplett auf Deutsch vorliegt. Ergänzt wird die Reihe nun noch mit einem Death-Sammelband, der zwei dreiteilige Miniserien von Gaiman (plus ein paar Bonus-Kurzgeschichten) enthält, die sich alle um die Sandman-Nebenfigur Death drehen, eine der sechs Geschwister der Hauptfigur Morpheus alias Dream. Eine 21 Seiten lange Leseprobe ist auf mycomics verfügbar.

Die Marvel-Serie Captain America sorgte vor gut drei Jahren für Aufsehen, als ihre Hauptfigur getötet wurde. Dass Steve Rogers als Träger von Banner und Schild irgendwann wieder zurückkehren würde, war damals eigentlich schon klar, so ist das nun mal im Superheldenland. Marvel inszenierte diese Rückkehr im letzten Sommer mit der Miniserie Captain America: Reborn von Autor Ed Brubaker, der der Serie auch in der Steve-Rogers-losen Zeit treu geblieben war. Nun gibt es bei Panini einen deutschen Sammelband von Reborn, dessen Prolog man bei mycomics lesen kann.

Das Ultimate-Universum von Marvel Comics, geschaffen zu dem Zweck, Superhelden ohne die Last von jahrzehntelanger Continuity zu erzählen, hat inzwischen auch schon 10 Jahre auf dem Buckel und schleppt mittlerweile selbst eine recht lange Geschichte mit sich herum. Als Frischzellenkur startete der Verlag vor einem Jahr sämtliche Ultimate-Titel neu, nachdem man im Crossover Ultimatum das ganze Universum ordentlich durchgeschüttelt hatte. Aus Ultimate Spider-Man, der langlebigsten Serie des Imprints, wurde Ultimate Comics: Spider-Man, nach wie vor geschrieben von Brian Michael Bendis. Bei Panini nutzt man diesen Sprung ebenfalls für einen Formatwechsel: Kam bisher Der Ultimative Spider-Man als Heftserie auf den Markt, bringt man nun auch diese Serie (wie die meisten anderen) direkt im Sammelband-Format und gönnt sich noch eine dezente Umbenennung. Nun heißt die Serie in Deutschland so, wie sie in den USA früher hieß, aber inzwischen nicht mehr heißt: Ultimate Spider-Man. Die ersten Seiten auf Englisch gibt's hier.

Wenn Hollywood einen neuen Blockbuster in die Kinos schickt, wird dies inzwischen gerne mit Comics begleitet, die dann die Vorgeschichte erzählen, einen Brückenschlag zwischen Teil 2 und 3 versuchen, oder (im langweiligsten Fall) den Filmplot nochmal nacherzählen. Das gilt auch für Predators, die Neubelebung der Action-SF-Filmreihe, die kürzlich ins Kino kam. Das entsprechende Prequel in Comicform erschien bei Cross Cult. Hier eine Leseprobe, dort unsere Besprechung.

Das gleiche Prinzip funktioniert auch beim Fantasyfilm Die Legende von Aang - der basiert auf der Zeichentrickserie Avatar - The Last Airbender und hat damit schon eine gewisse Nähe zum Comic bzw. Manga. Bei EMA liegen gleich zwei Bände zum Film vor: Neben der Filmadaption in Mangaform gibt es auch die Vorgeschichte unter dem Titel Die Legende von Aang Prequel: Zuko’s Story.

Der Splitter-Verlag ist mittlerweile bei einem beachtlichen Output von 8 Alben pro Monat angelangt. Dabei vergeht kein Monat ohne Serien-Neustart. Im Juli waren dies Maries Drachen, ein Fantasy-Mittelalter-Mix vom erfolgreichen Autorenduo Ange (Leseprobe) und eine neue Serie des Berufsprovokateurs Alexandro Jodorowsky, der mit Der schreckliche Papst an seinen Historiencomic Borgia anknüpft. Eine Kostprobe gibt es hier, unsere Besprechung ist hier zu finden.

Die Leser des ZACK-Magazins stimmen regelmäßig über die Serien ab, die in der Zeitschrift abgedruckt werden. Als beliebtester Comic 2009 ging dabei Es war einmal in Frankreich von Fabien Nury und Sylvain Vallée hervor. Nun erscheint die Reihe bei der ZACK-Edition auch im Albenformat. Die Story basiert auf der Lebensgeschichte von Joseph Joanovici, einem Juden, der es zur Zeit der deutschen Besatzung mit legalen und illegalen Geschäften zum reichsten Mann Frankreichs gebracht haben soll. Wer ein bisschen Französisch versteht, sollte sich die Website zum Comic ansehen, die Vorschauseiten, Videotrailer und Zusatzinfos enthält.

Bei Salleck Publications gibt es ein Einzelalbum, das zwar von einem amerikanischen Künstler stammt, aber im Original in Frankreich erschienen ist. First Moon von Joe Wight erzählt semi-dokumentarisch die Geschichte der drei Astronauten von Apollo 11, die mit der Mondlandung 1969 unsterblich wurden. Hier eine französische Leseprobe.

Die Albenreihe Gildwin (ebenfalls bei Salleck) ist die neue Serie von Philippe Luguy (Tassilo) und erzählt eine klassische Fantasy-Quest-Geschichte mit einem jugendlichen Helden.

Aus der Reihe erfreuliche Neuauflagen: Modern Tales druckt die ersten beiden Bände seiner Courtney Crumrin-Reihe nach. Diese waren ursprünglich nur als Paperback erschienen - ab Band 3 stieg der Verlag dann auf Hardcover-Ausgaben um. Durch die Neuauflage liegt nun die gesamte Reihe im einheitlichen Format vor. Hier unsere Rezension der Erstauflage von Band 2 aus dem Jahr 2006.

In der Reihe Spirou und Fantasio Spezial legt Carlsen mit Spirou und der Roboter mehrere frühe Spirou-Geschichten aus der Feder von Franquin neu auf, ergänzt mit Bonusmaterial und mit neuer Farbgebung.

Klassiker-Freunde werden sich auch über zwei neue Gesamtausgaben freuen: Die ZACK-Edition brachte einen limitierten Schuber mit allen Freddy Lombard-Geschichten von Yves Chaland heraus. Auf der Website Top 100 Comics stellt Martin Budde die Serie vor.

Und Kult Editionen startete eine 18-teilige Komplettausgabe von Andy Morgan, der Abenteuerserie von Greg und Hermann aus den 60er und 70er Jahren. Der Verlag stellt das Projekt in einem kleinen Special vor.

Soviel zum Monat Juli, und nachdem der August heute auch schon zuende geht, wird die nächste Folge dieser kleinen Reihe hoffentlich sehr bald erscheinen.

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posted by Thomas um 20:31 | Permalink