Die Welt am Draht, das sind Kommentare, Informationen, Gedanken und natürlich News rund um die Welt der Comics und darüber hinaus.
12.02.2010
Frisch aus der Druckerei, 2/10
(Comic-Neuheiten im Januar)
HIGHLIGHT DES MONATS: Der Name Posy Simmonds war zumindest mir bislang völlig unbekannt, dabei wurden vor Jahren immerhin schon zwei Kindercomics aus ihrer Feder auf Deutsch veröffentlicht. Mit Tamara Drewe erscheint bei Reprodukt aber nun ein dezidiert erwachsener Stoff, der Comic-Sequenzen mit Prosatext mischt und zunächst als Fortsetzungsgeschichte im Guardian erschien. Das Buch spielt auf einer ländlichen Residenz, die für viele Schriftsteller als Rückzugsort zum Schreiben dient. Das spießige Idyll wird aufgebrochen, als die attraktive junge Titelheldin aus London ins Dorf kommt, weil sie dort ein Haus geerbt hat. Der Stoff wird gerade von Stephen Frears (High Fidelity, The Queen) verfilmt. Bei Reprodukt gibt es eine Leseprobe, und bei guardian.co.uk steht sogar der komplette Comic online - allerdings in schwer lesbarer, ziemlich kleiner Auflösung.
Der auf der Frankfurter Buchmesse mit großem Täterä angekündigte Relaunch von Fix & Foxi fand im Januar statt. Nun gibt es also wieder eine Heftserie am Kiosk, bestehend aus neuen Comics, kindgerechten Wissensstrecken und dem obligatorischen Gimmick. Wirklich neu und interessant amneuen Fix & Foxi ist die Publikationsweise, denn neben der Printversion gibt es die Hefte auch in verschiedenen digitalen Varianten, für die der Verlag New Ground Publishing GmbH die Software seiner Plattform comicstars.de nutzt. Dort sind auch alte Fix-und-Foxi-Comics der letzten 50 Jahre zu finden. Ob allerdings die beiden Zielgruppen (Kinder und angejahrte Nostalgiker) sich auf E-Book-Experimente einlassen werden, kann bezweifelt werden. Siehe dazu auch den Beitrag von Björn, den er direkt nach der Präsentation in Frankfurt für unser Blog geschrieben hat.
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Extrem viel neuen Stoff gabs im Januar bei Panini Comics. Im weitesten Sinne zur Familie von Conan und Red Sonja gehört Solomon Kane, denn all diese Figuren wurden von Pulp-Meister Robert E. Howard erschaffen. Kane ist ein Puritaner, der im 16. Jahrhundert das Böse bekämpft. Seinen ersten Auftritt hatte er 1928 in Weird Tales, die erste Comicvariante gab es in den Siebzigern bei Marvel. Inzwischen gibt es einen Kinofilm und da war ein neuer Comic wohl unvermeidlich. Geschrieben wurde Solomon Kane: Schloss des Teufels von Dark-Horse-Redakteur Scott Allie und gezeichnet von Mario Guevara. Eine US-Leseprobe gibt es hier.
Weitere neue Lizenzcomics zu mehr oder weniger erfolgreichen Franchises: Neu im Panini-Programm sind Comics zur Fernsehserie Supernatural und zum Videospiel Mirror's Edge, die beide in den USA bei Wildstorm erschienen sind. Hier gibt es jeweils das komplette erste Kapitel bei mycomics.de zu lesen. Supernatural funktioniert als Prequel zur Mystery-TV-Reihe und bei Mirror's Edge steht eine Parkour-Läuferin in einer dystopischen Zukunft im Mittelpunkt.
In der DC-Ecke bringt Panini eine Serie nach Deutschland, die zwar unter dem DC-Label erscheint, die aber nicht direkt im Superheldenuniversum des Verlags spielt. Denn Jonah Hex ist ein astreiner Western. Erstmals 1972 erschienen, gab es immer wieder mal längere und kürzere Serien mit dem Revolverhelden. Die aktuelle gibt es seit 2005, wird vom Autorenteam Justin Gray und Jimmy Palmiotti mit verschiedenen Zeichnern gestaltet und hat es bereits auf über 50 Hefte gebracht. Die ersten sechs gibt's nun auf Deutsch in Jonah Hex 1: Zeit zu sterben, was sicher auch damit zu tun hat, dass eine Verfilmung des Stoffs in den Startlöchern steht (Leseprobe).
Nun zu den Superhelden, bei denen der Überblick derzeit immer schwerer fällt, weil fast alle mehr oder weniger schwer in diverse Crossover-Events verstrickt sind. Neben den ganz großen Events, die sich durchs komplette Verlags-Universum ziehen, gibt es noch kleinere Crossover, die sich innerhalb der einzelnen "Helden-Familien" abspielen. So drehten sich die verschiedenen Batman-Haupt- und Nebenserien kürzlich um den "Battle for the Cowl", nachdem Bruce Wayne ja (vermeintlich?) tot ist. Auf Deutsch nennt sich das Ding Kampf um die Maske und erscheint sowohl in der regulären Batman-Heftserie als auch in der Batman Monster Edition 4.
Auch die Superman-Familie hat ihr Mini-Crossover: Dort heißt es New Krypton und erscheint bei uns in den Superman Sonderbänden 35 und 36. Auf der Erde gibt es eine neue Stadt am Nordpol, in der 100.000 Kryptonier leben, also lauter Leute, die die gleichen enormen Kräfte haben wie Superman. Auf mycomics.de steht das komplette erste Kapitel.
Auch Marvel kennt das Phänomen der "kleineren Events". Ein solches ist War of Kings, das sich vor allem im Bereich von Marvels "cosmic heroes" abspielt, also den Superhelden, die mit Weltraum und fernen Planeten und so zu tun haben. Tut mir leid, aber ich habe nicht den geringsten Durchblick, wovon ich hier gerade schreibe. Auf der Panini-Homepage liest sich das so: "Was passiert, wenn die Imperien der Shi'ar und der Inhumans/Kree ihren Konflikt endgültig lösen wollen? Die Sterne der Galaxie werden erbeben, und mitten im Getümmel kämpfen die Wächter der Galaxie und Nova!" Alles klar. Jedenfalls ist der erste von drei Sammelbänden erschienen. Eine Kostprobe auf Englisch ist hier zu finden.
Was passiert, wenn man einen Marvel-Helden nimmt, in die 30er Jahre versetzt und eine Story im Stil der Série Noir zu erzählen versucht? Dann entsteht die Miniserie Marvel Noir: Spider-Man, die nun auch als deutscher Sammelband vorliegt. Und weil das Konzept gar nicht so schlecht angekommen ist, wird es von Marvel natürlich endlos weitergemolken. In den USA gibt es bereits Noir-Varianten von Daredevil, Wolverine, Punisher, Luke Cage und noch ein paar mehr. Das erste Kapitel von David Hines Spider-Man Noir gibt's bei mycomics.
Garth Ennis, der den Punisher über viele Jahre recht erfolgreich geschrieben hatte, hat seinen langen Run beendet, aber der Mann mit dem Totenkopf-T-Shirt darf natürlich nicht in Rente gehen. Wechselnde Autoren übernehmen Punisher Max, den Anfang machte eine Storyline von Gregg Hurwitz, dessen erster Storybogen nun in Max Comics 32: The Punisher: Mädchen in weißen Kleidern auf Deutsch vorliegt. Eine US-Preview kann man hier sehen.
Intellektuellen Anspruch und Tiefgang erwartet man bei den Superhelden aus dem Hause Image eher nicht, erst recht nicht, wenn sie sich in einem Crossover treffen. Noch nicht mal dann, wenn der Autor Alan Moore (von Beruf Comic-Gott) heißt. Im Jahr 1996 entstand die Miniserie Spawn/WildC.A.T.S, die manchen Leuten als der schlechteste Comic von Alan Moore gilt. Nun auch auf Deutsch bei Panini zu haben.
Ähnliche Geschmacksrichtung, nur ohne Comic-Gott: Broken Trinity, das aktuellste Crossover aus dem Hause TopCow, in dem sich die Witchblade mit Angelus und Darkness verbrüdern oder verprügeln oder beides darf. (Leseprobe bei mycomics)
Zurück nach Europa, nach Frankreich. Die Ehapa Comic Collection hat sich inzwischen angewöhnt, kürzere frankobelgische Albenserien gleich in einem dicken Band zu veröffentlichen und mit dem Sticker "All in One" zu versehen. Im Januar erschienen gleich zwei davon: Codex Angélique - Kompendium der Engel von Thierry Gloris und Mikaël Bourgouin spielt um die Jahrhundertwende und ist voll mit Mystizismus und Übersinnlichem, was unserem Rezensenten Benjamin Vogt nicht so gut gefallen hat. Eine Leseprobe gibt es nur auf Französisch.
Vinci von Didier Convard und Gilles Chaillet ist ein Historienkrimi, bei dem Leonardo da Vinci in eine Serienkiller-Story verwickelt wird. Der französische Verlag hat eine eigene Website zur Serie spendiert, bei uns wurde der Band bereits besprochen.
Auch beim Splitter Verlag gibt es eine neue Serie, die vor historischem Hintergrund spielt: In Sukkubus von Thomas Mosdi und Laurent Paturaud geht es um Verschwörungen und Intrigen vor dem Hintergrund der französischen Revolution (Leseprobe). Viel wichtiger aber als die Handlung: Der Comic stinkt.
Der Epsilon Verlag probiert es mit einem Mix aus Humor und Erotik. Im ersten Album der Reihe LieblingsSünden von Arthur de Pins gibt es zahlreiche One-Pager, die sich an der schwierigen Kombination von Sex und Witz versuchen. Während die Zeichnungen sehr modern und ansehlich daherkommen, wirkt der Humor doch reichlich altbacken, wie man an der Leseprobe sehen kann. Eis am Stiel lässt grüßen.
Zwei Mangaserien, die beide auf amerikanischen bzw. irischen Romanreihen basieren, starteten im Januar bei Tokyopop: Zum einen Maximum Ride nach der Romanserie von James Patterson - hier geht es um sechs Geschwister, die nach einem Genexperiment Flügel bekommen haben und fliegen können. Zu der Manga-Adaption von NaRae Lee gibt es eine Leseprobe auf der Tokyopop-Website.
Eine eigene Minisite (mitternachtszirkus.de) hat der Verlag für seine Darren Shan-Reihe gestaltet. Die Mitternachtszirkus-Bücher, deren erste Verfilmung vor ein paar Wochen im Kino startete, sind Vampirromane für Jugendliche, die man vielleicht als Alternative für Leser bezeichnen könnte, denen Stephenie Meyers Twilight-Stories zu kitschig sind. Von der Manga-Version sind mindestens 12 Bände geplant, die im 2-Monats-Rhythmus erscheinen.Labels: Druckfrisch
posted by Thomas um 14:10 | Permalink



In der DC-Ecke bringt Panini eine Serie nach Deutschland, die zwar unter dem DC-Label erscheint, die aber nicht direkt im Superheldenuniversum des Verlags spielt. Denn
Der Epsilon Verlag probiert es mit einem Mix aus Humor und Erotik. Im ersten Album der Reihe